LCV Bordsteinschwälbchen

 

Die LCV „Bordsteinschwälbchen“

Bericht: Karin Heep

Aufgrund der Auflösung des LCV Fanfarenzuges gab es außer der LCV Garde keine Möglichkeit für junge Männer im Verein tätig zu sein. Die Tanzgruppen bestanden aus weiblichen Mitgliedern und auch die Bereitschaft männlicher Jugendlicher zum Garde- oder Schautanz war noch nicht vorhanden. Da ich selbst 18 Jahre aktives Mitglied im Fanfarenzug war und dort in Jugendarbeit eingebunden war, wuchs in mir der Wunsch, den männlichen interessierten Männern, damals noch Jugendliche, eine Verwirklichung im Verein zu ermöglichen. So kam mir im Sommer 1994 die Idee, eine Gruppe zusammenzustellen. Viele ehemaligen Mitgliedern des Fanfahrenzuges waren sofort bereit und animierten ihre Freunde.

In der Karnevalsaison 1995 war es soweit. Nach dreimonatigen Proben fehlte nur noch ein passender Name. Der erste Auftritt anläßlich der 1. Sitzung des Karnevalvereins war ein voller Erfolg. Von nun an war der Ehrgeiz geweckt. Im darauffolgenden Jahr 1996 konnte ich die jungen Herren bereits zum Tragen eines Schottenrockes bewegen. Die Anzahl der Tänzer pendelte sich auf 10-12 Personen ein. Ihren ersten auswärtigen Auftritt bewältigten sie in Wilsenroth. Nun wurden die „Bordsteinschwälbchen“ auch auswärts bekannt und die ersten Anfragen zwecks Auftritten kamen.

1997 tanzten sie als Japaner. Der Zusammenhalt und auch ihre Hilfsbereitschaft bei allen zu verrichteten Arbeiten im Verein wurde größer. Nach einer Einladung vom Carneval-Comitee Oberlahnstein, zur Teilnahme an einem Tanzturnier stieg die Spannung. 1997 klappte es krankheitsbedingt nicht mit der Teilnahme, aber 1998 sollte es dann gelingen. Die Aufregung vor einem solchen Auftritt war für einige Tänzer, insbesondere für mich, eine „schweißtreibende“ Angelegenheit, was sich im übrigen bis heute nicht geändert hat. Bereits beim ersten Turnier ertanzten sich die „Bordsteinschwälbchen“ unter mehr als 20 teilnehmenden Männerballetts den 3. Platz im Gesamteindruck.

Von nun an wurden große Pläne geschmiedet, die sich aber „Gott sei Dank“ im Laufe der Tanzpause von März bis November, reduzierten. Bei der Auswahl der Tanzthemen einigt man sich immer in demokratischer Weise. Das läuft meistens so ab: jeder machte einen Vorschlag, auch ich, was meistens erst einmal abgelehnt wird! Dann steht das Thema fest und die Sucherei nach passendem Musiktitel, Kostüm und Tanzschritten geht los. An Ideen mangelt es nicht, aber diese auch Umzusetzen stellt mich vor manch „schlaflose Nacht“. Die Kreativität einzelner Mitglieder kennt keine Grenzen, so wird gebastelt, genäht, gemalt und getackert. Ein Lob an unsere Schneiderin Adelheid Kunz die es immer wieder schafft, unsere Ideen bezüglich des Kostüms umzusetzen.

1999 sollten es Wikinger sein, die über die Bühne kämpfen. Im Jahr 2000 eroberten die „Bordsteinschwälbchen“ als Römer die Sympathien des Publikums. Die Auftritte mehrten sich. Beim Tanzturnier in Lahnstein errang man den 2. Platz der Kategorie Gesamteindruck und den Preis für das schönste Kostüm. In Ahrweiler den Titel des Kreismeisters.

Da durch viele auswärtigen Auftritte Freundschaften zwischen den LCV „Bordsteinschwälbchen“ und anderen Männertanzgruppen geknüpft wurden, wurde die Idee geboren, selbst ein Tanzturnier zu veranstalten. Am 11.11.2000 fand dieses statt und wurde ein voller Erfolg. 2001 wirbelten dann die „Bordsteinschwälbchen“ als Captain Future über die Bühne. Es ist natürlich schwer, über Jahre hinweg die gleiche Höchstleistung zu erbringen. Wichtig ist in erster Linie, daß es Spaß macht.

Die Gründung der LCV „Bordsteinschwälbchen“ hat gezeigt, daß

1. Tanzen nicht eine rein weibliche Angelegenheit ist,

2. Männerballett nicht „große künstliche Oberweite und dicker Bauch“ heißen muß,

3. für den LCV im Augenblick die männliche Nachwuchssorge passé ist.

Mittlerweile sind einige Tänzer der „Bordsteinschwälbchen“ im Vorstand und im Elferrat des LCV´s. Andere sind aktiv bei Ideengebung und Herstellung von Bühnenbild, Wagen und anderen organisatorischen Belangen des Vereins gebunden. Wir sind zu einer großen Familie zusammengewachsen.

Teil II

Bericht. Karin Heep 2009

Im Jahr 2002 entschied man sich für das Thema Cowboys. Zur Fortbildung belegte die ganze Tanzgruppe einen Line-Dance Kurs. Auch mit diesem Tanz zeigten die Bordies  ihr Können und erreichten bei Turnieren vordere Plätze. Bei der 1. Deutschen Meisterschaft für Männerballette in Bonn ertanzten sich die Bordsteinschwälbchen den 7. Platz.

Ein Auftritt im damaligen Finanzministerium Bonn wurde wahrgenommen. Essen und Trinken frei – war ausgemacht! Unsere damalige 2. Vorsitzende Isolde kaufte uns dann frei. Mit einem solch großen Durst der Tänzer hatte der Veranstalter wohl nicht gerechnet.

2003 wurde das bis dato erfolgreichste Jahr. Mit dem Tanz Robin Hood eroberte man überall die Herzen der Zuschauer und auch der Preisrichter. Jetzt zahlte sich aus, dass ich einmal Stepkurse besucht hatte. Aber die Herren bis dahin zu bekommen war schon ein Stück Arbeit.

Gut das die Technik, das Abspielen der Musik verlangsamen konnte. So übten wir uns von 80% Geschwindigkeit auf  105% vor. Wie erleichtert waren die Jungs, als ich erklärte, dass ich sie übers Ziel gebracht hatte. Und wie langsam erschien ihnen dann das Normaltempo.Ja kleine Tricks werden auch bis heute noch angewendet!

Die Organisation, Kostümherstellung, Themensuche, Musik- und Tanzzusammenstellung wurde immer arbeitsintensiver und wie erleichtert war ich, als 2003 Simone Jung als Mittrainerin zum Team kam. Auch wenn ihre große Passion der Marschtanz war und ist, fügte sie sich wie das letzte Puzzleteil in unsere Gruppe. Ihr, auf Präzision bedachtes Auge, entging keine abweichende Bewegung. Mit dem Tanz „Grüße vom Taj Mahal“ gewannen wir an allen von uns teilgenommenen Turnieren und belegten bei der DM für Männerballette den 13. Platz von 60 teilnehmenden Gruppen.

Die Herstellung der Schnabelschuhe brachte uns gefühlte 100000 Verletzungen an den Fingern. Aber vor dem Erfolg steht nun mal das Proben. Manchmal wollte ich alles hinwerfen, und mindestens 1mal pro Jahr verließ ich den Proberaum mit dem festen Vorsatz nicht mehr zurückzukommen. Die Flucht ist mir bis heute noch nicht gelungen!!

Simone und mein Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude immer doppelte Freude.

Auf hohe See ging es dann im Jahr 2005. Als Matrosen mit Popeye und Olivia im Schlepptau sowie einem 4 Meter langen U-Boot reisten wir durchs Land Auftritte in der Rheingolghalle Mainz vor 2500 Zuschauern, Frauensitzungen in Nackenheim und viele andere mehr. Wir zählten in diesem Jahr mehr als 40 Einladungen. Zu dieser Zeit entschlossen wir uns nur noch in der Karnevalssession zu tanzen und nicht mehr als 15 Auftritte zu absolvieren.

Denn der Spaß am Tanzen sollte immer im Vordergrund stehen. 2006 starteten wir mit 14 aktiven Tänzern, die sich das Tema „Vampire“ gewünscht hatten. Viele Stunden verbrachten Simone und ich bei der Zusammenstellung des Tanzes und unsere Tänzer besuchten Extra-Sprechstunden beim hiesigen Zahnarzt. Mit seiner Hilfe lächelten die „Bordies“ mit individuell hergestellten Vampirzähnen.

Mit diesem Tanz bewarben wir uns in unserem Jubiläumsjahr beim Grand Prix der strammen Waden . An einem Casting (für uns eine neue Welt der Kameras und Einstellungen) wurde teilgenommen, und so kamen wir unter die auserwählten 10 besten Männerballette Hessens. Allein das Drehen des Einspielfilms, der in der Wellness-Scheune Sabine Bommel gefilmt wurde, war ein Event. Sabine ersparte den Herren weder Schlammmaske noch Massage. Am Besten war wohl das Bierbad!

Ende Januar 2007,  für uns unfassbar, gewannen wir durch Telefonvoting den Titel – Bestes Männerballett Hessens-. Die Freude war riesengroß und komplettierte das50ste Jubiläum des LCV.

Aber 2007 wurde auch ein neuer Tanz aufgführt. 14 Piraten tanzten zum Teil mit Holzbein über das Parkett. 2008 sollte ein Beatles-Revivaljahr werden. Es wurde zum schwierigsten Jahr seit Bestehen der Bordsteinschwälbchen. Einige Tänzer fielen krankheitsbedingt aus und auch der Zusammenhalt ließ zu wünschen übrig. Der Erfolgsdruck machte einigen zu schaffen.Einen Tag vor dem 1. Auftritt der Session, in Lahnstein, fiel noch ein Tänzer aus. Aber da bewies sich doch die Klasse und Kammeradschaft der Jungs.

Die Fans schickte man mit dem Bus nach Lahnstein vor. Die Tänzer trafen sich um 19 Uhr und stellten den kompletten  Tanz um. Mit einem zusätzlichen Bus, der durch die finanzielle Unterstützung eines wohlwollenden Fans bezahlt wurde, reisten die Bordies um 22 Uhr nach Lahnstein nach. Und die Mühe wurde durch einen 2. Platz belohnt.

Leider konnte Simone Jung, zeitbedingt nicht mehr als Trainerin mitmachen. Für uns alle ein großer Verlust, aber irgendwie musste es ja weitergehen. Gott sei Dank war Hilfe in Sicht. Und so kam Sarah Fröhlich ab 2008 als Trainerin mit ins Team. Weiter gings.

Ich wurde zu dieser Zeit durch ein Video der Band Scooter auf einen neuen Tanzstil aufmerksam. Dieser passte genau zu uns´ren wilden Jungs! Prompt ergab sich die Möglichkeit einen Tanzkurs zu absolvieren, an dem nahmen 5 Tänzer teil. Fix und Fertig nach einem eintägigen Intensivkurs und der Meinung „Das schaffen wir nie!“ Und ob. Philipp Schmidt einer uns´rer Tänzer übertraf sich selbst. Er brachte uns allen den Jumpstyle bei und es machte Riesenspaß.

So traten wir in der Session 2008 als Piloten auf und überwanden das Vorjahrestief. Jetzt schreiben wir das Jahr 2009 und feiern unser 15jähriges Jubiläum. Die Proben für den neuen  Tanz  2010 laufen gut.

An dieser Stelle sei all denen gedankt, die uns unterstützt und begleitet haben: Unserem LCV für finanzielle und moralische Unterstützung, Adelheid Kunz, die seit 15 Jahren unsere Ideen im Kostüm umzusetzen vermag, Unseren Fans, die immer hinter uns stehen, Allen LCV Gruppierungen die mit uns für unseren Verein wirken. Allen ehemaligen Tänzern und Simone, die jeder für sich ein Stück zum Erfolg beigetragen haben.

Ein Tänzer hat mich auf dem ganzen Weg begleitet. Ferdi Heep feiert in diesem Jahr seine 15jährige aktive Mitgliedschaft. Er war einer von denen, die mich 1994 überredeten diesen Weg einzugehen.

Es hat sich doch gelohnt!

Teil III

Bericht: Karin Heep 2013

2010 entschieden wir uns für das Thema Indianer. Unzählige Stunden verbrachte ich mit der Herstellung individueller Bordüren, Häuptlingskopfschmuck, sowie Anfertigung eines Marterpfahls. Sarah Fröhlich unsere zweite Trainerin sowie Tänzer Philipp übernahmen die Zusammenstellung der Schritte, Musikauswahl etc. Für Sarah, die Mitten im Studium war, eine anstrengende Angelegenheit. Durch den schneereiche Winter fielen viele Proben aus.

Frusthöhepunkt war wohl, dass wir durch das Schneechaos nicht zum Tanzturnier nach Lahnstein fahren konnten. Nach der Session fand ein Generationswechsel statt. Einige Tänzer und auch Trainerin Sarah Fröhlich beendeten, berufs-u.studienbedingt, ihre Laufbahn.

Ab September 2010 übernahm Jenny Schatz mit mir das Training der Bordies. Als Trainerin nicht mehr wegzudenken, übernimmt sie nun den tänzerischen Bereich. Musik, Choreo etc entwickeln wir gemeinsam. Organisation, Kostüm, Requisiten und admistratives Drumherum sind meine Aufgaben. Johannes kümmert sich um Homepage und Musikschnitt.

Im Dezember 2010 absolvierten wir das erste Mal ein Trainingswochenende in Mayen. Eine effektive Sache, die wir nun alljährlich einplanen. Samstags wird geprobt bis der Tanz steht. Abends sitzen wir uns dann gemütlich beisammen. Sonntags manchmal noch 1 Stündchen Probe (nach Verfassung und Fußballspielplan).

Thema der Session 2011 war Mexikaner. Unsere Musiker unter den Tänzers spielten den Einmarsch sogar Live. Chris als angetrunkener Mexikaner (natürlich nur gespielt) und Alex als posaunespielender Kaktus. Mit diesem Tanz ging es im Januar 2012 zum Grand Prix der Strammen Waden, eine Sendung des Hessischen Fernsehens. Und wieder konnten die Bordies den Titel mit nach Hause bringen.

Im 55. Jubiläumsjahr des LCV eine tolle Sache. Wir widmeten den Titel unserem ehemaligen Tänzer Christoph, der im Jubiläumsjahr, mit seiner Gattin als Prinzenpaar, den LCV repräsentierte. Gleichzeitig übten wir für 2012 auch einen neuen Tanz ein.

Thema 2012: Fun(t)asien. Gruppensprecher Chris und ich bastelten einen chinesischen Löwen. (Danke an Gottfried Fritz, der unsere mechanischen Wünsche umsetzen konnte.). Jenny und Chris opferten viele Extrastunden um allen den Shuffle beizubringen. Mit Erfolg! Mit Löwe, Fächer und Rikscha war dieser Tanz ein gelungenes Bühnenspektakel.

Nach der Session treffen wir uns immer zu einer sogenannten „Manöverkritiksitzung“. Hier wird gelobt, getadelt, Verbesserungen vorgeschlagen, Tanzthemen für die kommende Session vorgeschlagen und darüber abgestimmt. Nach einem Vorschlag aus der Runde: „Super Mario, Gameboyspiel“ war dies das 1.Mal, solange es die Bordies gibt, dass ein Thema einstimmig beschlossen wurde! Nun lag es an Jenny und mir dies umzusetzen ( Musik, Choreo, Kostüm usw.).

Tanztitel 2013: „Der Traum vom Gameboy spielen“. Mit ihrem Auftritt begeisterten die Jungs nicht nur das Publikum auf Kanevalssitzungen, auch die Preisrichter bei Turnieren waren von der Umsetzung des Themas, der Tanzleistung und vor allem der Ausstrahlung der Tänzer begeistert.

Seit 2007 treten die Bordies alljährlich bei Fastnachtssitzungen im Mainzer Raum auf – neben Mainzer Hofsänger, Begge Peter, Der Pfälzer, Apollonia, Bernd Bruch, Spaßmacher Company, Tugendbolde und viele anderen bekannten Fastnachtsgrößen. Viele Freundschaften zu anderen Tanzgruppen bestehen und werden gepflegt. Man unterstützt sich gegenseitig.

Ende Februar erhielten wir die Nachricht, dass wir vom RKK mit dem „Zinnhannes“ Kulturpreis, in der Kategorie „Rampenlicht“, ausgezeichnet werden. Der sogenannte Oskar des Karnevals! Wir sind alle sehr stolz.

Hätte ich vor 19 Jahren gedacht, dass diese Gruppe sich so entwickelt?! Im nächsten Jahr feiern wir 20jähriges Bestehen. Als Trainerin werde ich langsam zu alt für Jungs, die bald meine Enkel sein könnten. Aber wie ein eigenes Kind liegen mir die Bordies am Herzen. Ich wünsche uns weiterhin viel Erfolg aber am wichtigsten ist die Freude am Tanzen, am Vereinsleben und die Kameradschaft untereinander.

Fortsetzung folgt…

2014 “ Leprechauns „

 

2013 “ Gameboys “

2012 „FantAsia“

2011 „Mexikaner“

2010 „Indianer“

2009 „Piloten“

2008 „Beatels“

 2007 „Piraten“

2006 „Vampire“

2005 „Matrosen“

2004 „Grüße vom Taj Mahal“

2003 „Robin Hood“

2002 „Cowboys“

2001 „Captain Future“

 2000 „Römer“

1999 „Wikinger“

1998 „Hatschii“

1997 „Japaner“

1996 „Schotten“

1995 „Nicky“